CHARLESTOWN/BOSTON (MedCon) - Ein erhöhter Harnsäurespiegel könnte das Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung verlangsamen. So lautet das Ergebnis einer Studie des MassGeneral Institute for Neurodegenerative Disease (MGH-MIND) und der Harvard School of Public Health (HSPH).
Die Wissenschaftler analysierten Daten einer früheren Studie und stellten fest, dass bei Parkinson-Patienten mit hohen Harnsäurewerten die Krankheit im Laufe des zweijährigen Studienzeitraums am langsamsten fortschritt. Diese Erkenntnis könnte letztlich zu einer auf Harnsäure basierenden Therapie der Krankheit führen, hoffen die Forscher.
Eine Reihe anderer Studien hatte zuvor schon angedeutet, dass ein erhöhter Harnsäurespiegel bei gesunden Menschen das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senkt.
„Der neurodegenerative Prozess, der zur Parkinson-Krankheit führt, startet schon Jahre vor dem Auftreten von Symptomen und schreitet im Verlauf der Krankheit weiter fort. Daraus schlussfolgerten wir, dass die Harnsäure im Blut die Geschwindigkeit der Neurodegeneration herabsetzen könnte. Weiterhin nehmen wir an, dass der positive Effekt der Harnsäure sich auch über den Diagnosezeitpunkt hinaus erstreckt“, sagte Dr. Alberto Ascherio von der HSPH, der Seniorautor der Studie.
Um diese Annahme zu überprüfen, analysierte das Forscherteam Informationen aus der PRECEPT-Studie, die von einer Parkinson-Arbeitsgruppe an der University of Rochester durchgeführt worden war.
Diese Studie begleitete eine Gruppe von Patienten, bei denen die Parkinson-Krankheit erst kürzlich festgestellt worden war. Die Rochester-Forscher probierten aus, ob ein experimentelles Medikament das Fortschreiten der Krankheit verzögern kann.
Dieses Fortschreiten definierten sie anhand der Notwendigkeit, mit der medikamentösen Standardbehandlung gegen Parkinson zu beginnen, und mit Hilfe bildgebender Verfahren, die die Gehirnregionen sichtbar machen, in denen Dopamin produziert wird. Zudem wurden Blutproben von etwa 800 PRECEPT-Teilnehmern auf die Harnsäurekonzentration hin untersucht.
Diese Konzentrationen verglichen die Wissenschaftler der aktuell in den Archives of Neurology erschienenen Studie nun mit den Informationen über das Fortschreiten der Krankheit.
Es zeigte sich, dass die Studienteilnehmer, die zu Studienbeginn die höchsten Harnsäurespiegel im Blut aufgewiesen hatten, nur halb so oft mit der Einnahme von Parkinson-Medikamenten begonnen hatten wie jene mit den niedrigsten Harnsäurewerten.
Die im Computertomographen entstandenen Bilder aus den Gehirnen der Patienten zeigten, dass diejenigen mit den höchsten Harnsäurekonzentrationen die wenigsten Dopamin-produzierenden Nervenzellen verloren hatten.
Den Zusammenhang zwischen Harnsäurespiegel und Krankheitsfortschritt beobachteten die Forscher bei allen Studienteilnehmern, ganz gleich, ob sie das experimentelle Medikament bekamen das sich als wirkungslos herausstellte oder ein wirkstofffreies Scheinmedikament (Placebo).
Männer haben meistens einen höheren Harnsäurespiegel als Frauen, zudem hatte es in der PRECEPT-Studie nur wenige Teilnehmerinnen mit erhöhtem Harnsäurespiegel gegeben. Die Ergebnisse der aktuellen Analyse der Forscher von MGH-MIND und HSPH gelten deshalb vorläufig nur für Männer. Welches Therapiepotenzial die Harnsäure für Frauen habe, müsse in weiteren Studien näher untersucht werden, so die Wissenschaftler.
„Diese Erkenntnisse, kombiniert mit dem aus Laborstudien stammenden Wissen über die schützenden Effekte von Harnsäure, eröffnen die Möglichkeit, Strategien zur Anhebung der Harnsäurewerte einzusetzen, um das Absterben von Nervenzellen im Verlauf der Krankheit zu bremsen“, sagte Dr. Michael Schwarzschild vom MGH-MIND, der federführende Autor der Studie.
„Allerdings muss der potenzielle Nutzen der Harnsäure gegen die bekannten Risiken eines erhöhten Harnsäurespiegels abgewogen werden; zu diesen Risiken gehören Gicht und Nierensteine. Von dem ausgehend, was wir bisher wissen, sollte eine Anhebung des Harnsäurespiegels nur im Rahmen einer genau überwachten klinischen Studie, in der Nutzen und Risiken genau abgewogen werden, ausprobiert werden.“
Quelle:
Erstellt von MedCon aus: Archives of Neurology Juni 2008, online vorab 14. April 2008
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Letzte Änderung: 27.06.2008, 12:42 Uhr
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URL: http://www.parkinsoninfo.de/aktuelles/2008-06-27/
Stand: 27.06.2008, 12:42 Uhr
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