Entdeckt: die molekularen Hintergründe der Parkinson-Krankheit

Frankfurt am Main, 01.02.2006

BONN (MedCon) - Typisch für einen Morbus Parkinson ist das Absterben von Dopamin-produzierenden (dopaminergen) Nervenzellen in einer Region des Mittelhirns, die an der Koordination unserer Bewegungen beteiligt ist (Substantia nigra). Wieso diese Zellen sterben, während die dopaminergen Nervenzellen in benachbarten Gehirnregionen verschont bleiben, ist bisher ein Rätsel, das Bonner Forscher offenbar entschlüsselt haben. Die Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) entdeckten einen Mechanismus, der das selektive Sterben dieser Nervenzellen (Neuronen) erklären kann.

Dopamin ist ein Botenstoff, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegungen spielt. Das Absterben der dopaminergen Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit führt zu einem Dopamin-Mangel. Verlangsamte Bewegungen, Steifheit der Muskulatur und ein Zittern, unter anderem der Hände und Arme, sind die Folgen.

In Deutschland leiden etwa 150.000 bis 200.000 Menschen an der Parkinson-Krankheit. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass bei Betroffenen die Funktion der Mitochondrien in den Zellen der Substantia nigra gestört ist. Mitochondrien dienen den Zellen als Kraftwerke, die Energie in Form des Moleküls Adenosin-Triphosphat (ATP) liefern. Durch die Funktionsstörung kommt es in den Zellen zu einem ATP-Mangel.

Die NGFN-Wissenschaftler um Profs. Birgit Liss und Jochen Röper zeigen in ihrer aktuellen Studie einen möglichen Weg auf, wie das Fehlen von ATP die Neuronen schädigen kann: Liegt zuwenig ATP in den Nervenzellen der Substantia nigra vor, öffnen sich bestimmte Poren in der Zellwand der Nervenzellen, so genannte Kalium-Kanäle.

Dieser Vorgang stoppt die elektrische Aktivität der dopaminergen Zellen. Sie sterben ab. "Die Kalium-Kanäle werden nur in den Neuronen der Substantia nigra geöffnet. In anderen Dopamin-ausschüttenden Neuronen, etwa in benachbarten Bereichen im Mittelhirn, bleiben die Kanäle geschlossen und somit die elektrische Aktivität erhalten. Diese Zellen überleben", erklärte Studienleiterin Liss.

Weitere Untersuchungen sollen jetzt klären, warum das Öffnen der Kalium-Kanäle den Tod der Zellen einleitet. "Möglicherweise stellen die Kalium-Kanäle in den Neuronen der Substantia nigra einen geeigneten Angriffspunkt für Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit dar", hofft sie.

Quelle: Nationales Genomforschungsnetz NGFN, 22.11.05

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letzte Änderung 19. Februar 2016, 10:24 Uhr

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Stand: 27-Jul-2016, 05:21 PM
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