Depressionen bei Parkinson erfordern spezielle Behandlung

Frankfurt am Main, 15.01.2009

PISCATAWAY (MedCon) – Die Ergebnisse einer neuen Studie legen nahe, dass Antidepressiva, die nur auf den Nervenbotenstoff Serotonin wirken, nicht die beste Wahl für Patienten mit Parkinson sind. Das berichten Wissenschaftler der Robert Wood Johnson Medical School an der University of Medicine and Dentistry of New Jersey.

Nahezu die Hälfte aller Menschen, die an Parkinson leiden, erkranken im Laufe der Zeit zusätzlich an Depressionen. Die am 17. Dezember in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Studie ist die erste, die ein älteres Antidepressivum, das auf zwei Nervenbotenstoffe im Gehirn wirkt, mit einem neueren Medikament, das nur auf den Nervenbotenstoff Serotonin wirkt, vergleicht. Die beiden Antidepressiva wurden zudem mit einem Scheinmedikament, einem Placebo, verglichen, um ihre Wirksamkeit zu überprüfen.

Medikamente sollten zwei Nervenbotenstoffe ansprechen

Die Wissenschaftler um den Neurologen Prof. Matthew Menza verabreichten 52 Parkinson-Patienten, die an Depressionen litten, entweder ein trizyklisches Antidepressivum, einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder eine Placebopille.

Trizyklische Antidepressiva wirken auf zwei Nervenbotenstoffe – Noradrenalin und Serotonin. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirken dagegen nur auf einen Nervenbotenstoff, das Serotonin. Nach zwei-, vier- und achtwöchiger Behandlung wurden die Studienteilnehmer untersucht, um festzustellen, ob sich die Depressionen gebessert hatten.

Es stellte sich heraus, dass die Parkinson-Patienten, die ein trizyklisches Antidepressivum eingenommen hatten, fünfmal häufiger eine Verbesserung der depressiven Beschwerden aufwiesen als die Patienten, die einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhalten hatten.

Depressionen bei Parkinson nicht „abtun“

“Ich denke, diese Studie liefert eine ganze Reihe wichtiger Informationen. Zum einen zeigt sie, dass Menschen mit Parkinson auf eine Therapie mit Antidepressiva ansprechen. Das ist sehr wichtig, denn bisher erfahren Depressionen bei Parkinson-Erkrankten zu wenig Beachtung, werden in ihrer Bedeutung zu niedrig eingeschätzt und nicht ausreichend behandelt“, erklärte Menza. Üblicherweise treffe man auf die Haltung: „Natürlich bist du depressiv, du hast eine schwere Krankheit.“ Doch diese Studie zeige, das Patienten mit Parkinson Hoffnung haben sollten, dass ihnen geholfen werden kann.

“Als zweiten wichtigen Punkt zeigt die Studie, dass wir möglicherweise Medikamente verwenden müssen, die im Gehirn sowohl auf Noradrenalin als auch auf Serotonin wirken, um Depressionen bei Menschen mit Parkinson erfolgreich zu behandeln“, fügte er hinzu.

Sorgsamer Einsatz und Überwachung notwendig

Trizyklische Antidepressiva gehören einer älteren Klasse von Medikamenten zu Behandlung von Depressionen an und werden bereits seit den 1950er Jahren eingesetzt. Bei diesen Medikamenten besteht jedoch die Gefahr der Überdosierung und schädlicher Wirkungen auf Gehirn und Herz. „Deshalb sollte bei Patienten, die trizyklische Antidepressiva erhalten, die Dosierung immer genau im Auge behalten werden“, sagte Menza. Außerdem empfiehlt er weitere Untersuchungen mit neueren Medikamentenklassen, die ebenfalls auf beide Nervenbotenstoffe wirken.

Quelle: Erstellt von MedCon aus: Michael S. Okun and Hubert H. Fernandez; Will tricyclic antidepressants make a comeback for depressed Parkinson disease patients?; Neurology, online veröffentlicht am 17. Dezember 2008

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letzte Änderung 19. Februar 2016, 10:24 Uhr

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