Diagnose von Parkinson

Diagnose und Formen

Das Wichtigste in Kürze

  • Klinische Diagnose: Die Parkinson-Diagnose wird primär durch Neurolog*innen anhand körperlicher und neurologischer Untersuchungen gestellt. Voraussetzung ist meist eine verlangsamte Bewegung (Bradykinese), kombiniert mit Rigor oder Tremor.
  • Bildgebung: Ein MRT des Kopfes ist wichtig, um andere Ursachen wie Durchblutungsstörungen, Tumore oder andere neurodegenerative Erkrankungen auszuschließen.
  • Formen von Parkinson: Man unterscheidet die „klassische“ Parkinson-Erkrankung (Morbus Parkinson), das atypische Parkinson-Syndrom und das sekundäre Parkinson-Syndrom, welches durch Medikamente oder Begleiterkrankungen ausgelöst werden kann.

Für die Diagnose der Parkinson-Krankheit gibt es keinen einzelnen Blutwert oder Scan, der die Erkrankung sofort und zweifelsfrei belegt. Der Prozess beinhaltet eine klinische Ausschlussdiagnostik und erfordert das Vorliegen bestimmter Symptome. Im ersten Schritt prüfen Ärzt*innen die motorischen Kernsymptome – und damit das Vorliegen eines „Parkinson-Syndroms“. Im zweiten Schritt helfen apparative Tests und bildgebende Verfahren dabei, die genaue Ursache zu bestimmen und andere Erkrankungen auszuschließen. Diese Einordnung ist entscheidend, da sich die unterschiedlichen Arten von Parkinson-Syndromen im Krankheitsverlauf und in der Therapie stark.

Wie wird Parkinson diagnostiziert? Der Ablauf beim Ärzt*innenbesuch

Die Parkinson-Diagnose wird primär klinisch gestellt. Im Zentrum stehen das ärztliche Anamnesegespräch und die sorgfältige neurologische Untersuchung der Bewegungsabläufe.

Wer diagnostiziert Parkinson?

Die richtigen Fachärzt*innen für die Parkinson-Diagnostik sind Neurolog*innen. Bei Verdacht auf Dopaminmangel oder unklaren motorischen Ausfällen überweist der/die Haus*ärztin in der Regel an eine neurologische Fachpraxis oder eine spezialisierte Klinik.

Anamnese und neurologische Untersuchung

Das ärztliche Gespräch klärt zunächst die Vorgeschichte. Es wird gezielt nach frühen Warnzeichen, wie einem verminderten Geruchssinn, chronischer Verstopfung oder unruhigem Schlaf gefragt.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, bei der die Kardinalsymptome eines Parkinson-Syndroms geprüft werden:

  • Tremor (Ruhezittern): Ein asymmetrisches Zittern, das typischerweise in Ruhe auftritt und bei gezielten Bewegungen abnimmt.
  • Rigor (Muskelsteifigkeit): Ein gleichmäßiger Widerstand bei der passiven Bewegung von Gelenken durch den Ärzt*innen.
  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung): Bewegungen werden im Verlauf langsamer oder lassen sich schwerer initiieren. Eine daraus resultierende Bewegungsarmut wird als Akinesie bezeichnet.
  • Posturale Instabilität (Haltungsstörung): Eine Störung der Stellreflexe, die jedoch je nach Krankheitsverlauf zu unterschiedlichen Zeiten auftritt. Für die Initialdiagnose ist dieses Symptom daher weniger geeignet.

Gemäß aktueller MDS (Movement Disorder Society) – Kriterien wird ein Parkinson-Syndrom diagnostiziert, wenn Bradykinese plus Rigor oder Tremor vorliegt. Zudem gibt es bestimmte Zeichen, die eine Parkinson-Krankheit sicher ausschließen und Warnzeichen, die nicht zu einem typischen Parkinson-Verlauf passen. Weiterhin werden unterstützende Kriterien festgelegt, die die ärztliche Diagnose bekräftigen können. Die eindeutige Diagnose einer Parkinson-Erkrankung kann allerdings erst gestellt werden, wenn die Ursache abgeklärt ist.

Wichtig: Ohne den Nachweis einer Bradykinese wird in der Regel kein Parkinson diagnostiziert.

Parkinson-Tests und bildgebende Verfahren

Um ähnliche Krankheitsbilder auszuschließen und die Diagnose abzusichern, kommen verschiedene labordiagnostische und apparative Verfahren zum Einsatz.

Kann man Parkinson frühzeitig erkennen?

Eine frühzeitige Diagnose ist eine der größten Herausforderungen bei neurodegenerativen Erkrankungen. Einen einfachen, etablierten Test, im Sinne einer schnellen Routineuntersuchung, gibt es im klinischen Alltag bislang nicht. Die Früherkennung stützt sich heute vor allem auf die Erfassung sogenannter prämotorischer Symptome – wie anhaltende Riechstörungen, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen oder chronische Verstopfung. Diese Symptome sind unspezifisch und können bereits Jahre vor der Diagnose auftreten, entsprechend schwierig gestaltet sich die Früherkennung.

Forschungsansätze – darunter die Detektion von fehlgefaltetem Alpha-Synuklein mittels Hautbiopsie sowie die Bestimmung von neuronalen Abbauprodukten im Blut – ebnen jedoch den Weg für eine präzisere Früherkennung. Entsprechende Methoden sind aktuell aber noch nicht ausgereift und eignen sich nur zur Abgrenzung einzelner Parkinson-Syndrome und nicht zur Diagnose.

L-Dopa-Test: eine Wirkung auf die Symptome?

Der L-Dopa-Provokationstest prüft, ob die Beschwerden auf einen wichtigen Wirkstoff – Levodopa oder L-DOPA – ansprechen. Der motorische Zustand des Patient*innen wird zunächst ohne Medikation bewertet. Dann erhält der Patient*innen eine standardisierte Dosis Levodopa. Bessert sich die Motorik gemäß einer standardisierten Skala anschließend um mindestens 30 Prozent, gilt der Test als positiv. Routinemäßig soll dieser Test nicht eingesetzt werden, spielt aber in der Frühdiagnose gemäß MDS-Kriterien eine Rolle.

Kann man Parkinson im MRT oder CT erkennen?

Die Parkinson-Krankheit lässt sich weder im MRT noch im CT ausreichend sichtbar machen, um eine eindeutige Diagnose anhand dieser Untersuchungen zu ermöglichen. Eine strukturelle Bildgebung des Gehirns mittels Magnetresonanztomografie (MRT) wird standardmäßig zu Ausschlussdiagnostik und zur Ursachenabklärung genutzt. Andere strukturelle Ursachen eines Parkinson-Syndroms umfassen Durchblutungsstörungen, Tumore oder seltene Erkrankungen wie Morbus Wilson.

Die Computertomografie (CT) des Kopfes wird in der Praxis meist dann als Alternative eingesetzt, wenn ein MRT aufgrund von Gegenanzeigen – beispielsweise bei Patient*innen mit einem Herzschrittmacher oder bestimmten metallischen Implantaten – nicht möglich ist. Auch das CT dient in diesem Kontext rein dem Ausschluss sekundärer, struktureller Ursachen.

DaT-Scan-Untersuchung (SPECT)

Der DaT-Scan (Dopamin-Transporter-SPECT) ist eine spezielle nuklearmedizinische Untersuchung. Er macht sichtbar, ob die dopaminproduzierenden Nervenzellen im Gehirn noch intakt sind oder bereits zugrunde gehen.

  • Wann wird er eingesetzt? Wenn die klinische Diagnose unklar ist, soll der Scan frühzeitig im Krankheitsverlauf zwischen einem Parkinson-Syndrom und anderen Tremor-Syndromen unterscheiden, da die Befunde unterschiedliche klinische Konsequenzen haben.
  • Was kann er nicht? Der DaT-Scan kann nur schlecht zwischen degenerativen Parkinson-Formen unterscheiden – dazu gehören die eigentliche Parkinson-Krankheit, die Multisystematrophie (MSA) und die Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)

Neue Labordiagnostik: Hautbiopsie und Bluttests

Aktuelle Studien zeigen, dass ein Test mit minimalinvasiven Hautbiopsien das bei manchen Parkinson-Syndromen veränderte Alpha-Synuklein zu über 90 Prozent sicher erkennen kann. Diese Verfahren etablieren sich zunehmend, um die Ausschlussdiagnosen früher und niederschwelliger stellen zu können. Solche Tests (Alpha-Synuklein in der Haut, aber auch auf Neurofilamente im Blut oder Liquor) sollen vor allem genutzt werden, um atypische Formen vom klassischen Parkinson abzugrenzen, und sind kein Teil der Standarddiagnostik.

Welche Formen von Parkinson gibt es?

In der Neurologie spricht man häufig vom Begriff „Parkinson-Syndrom“ oder „Parkinsonismus“. Diese beschreiben aber nur das Vorliegen von bestimmten Symptomen und nicht die Ursache. Die verschiedenen Formen von Parkinson unterscheiden sich in Ursache, Verlauf und Behandelbarkeit. Zusätzlich zu den hier genauer beschriebenen Formen gibt es auch genetische Ursachen, die teils genau bestimmt werden können. Genetische Diagnostik wird von Ärzt*innen prinzipiell angeboten, lässt aber keine Vorhersagen für den Krankheitsverlauf einzelner Patient*innen zu.

Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson)

Der eigentliche Morbus Parkinson (PK) und macht etwa 75 der degenerativen Parkinsonsyndrome aus. Er ist gekennzeichnet durch das Vorliegen von Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuklein – in sogenannten Lewy-Körperchen – in bestimmten Hirnregionen. Morbus Parkinson gehört damit zu der Kategorie der „Lewy-Körperchen-Krankheiten“. Die Diagnose kann auch erfolgen, wenn noch keine motorischen Symptome vorliegen. So spricht man von präklinischer PK, wenn nur Lewy-Körperchen ohne Symptome nachgewiesen werden, oder von prämotorischer PK, wenn noch keine motorischen Symptome bestehen. Der Begriff „idiopathisches Parkinson-Syndrom“ wird in aktuellen Leitlinien nur noch zur Beschreibung von Parkinson-Syndromen ohne erkennbare Ursache genutzt.

Der Krankheitsverlauf ist individuell, es lassen sich aber motorische Typen beobachten, die Hinweise auf Symptomverlauf und Therapieansprechen geben können. Es gibt beispielsweise tremor-dominante Formen, bei denen das Ruhezittern im Vordergrund steht oder akinetisch-rigide Formen mit ausgeprägter Bewegungsverlangsamung und Muskelsteifheit. Zudem gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Symptomausprägung.

Mehr Informationen über die Symptome von Morbus Parkinson finden Sie auf unserer Seite Symptome von Parkinson.

Atypisches Parkinson-Syndrom

Atypischer Parkinson fasst Parkinson-Syndrome zusammen, die durch andere neurodegenerative Erkrankungen als die Lewy-Körperchen-Krankheit verursacht werden.

Zu den bekanntesten atypischen Syndromen zählen:

  • Multisystematrophie (MSA): Gekennzeichnet durch früh einsetzende, schwere vegetative Störungen wie starke Blutdruckschwankungen oder Inkontinenz und unkontrollierte Bewegungsmuster (Ataxie).
  • Progressive supranukleäre Blickparese (PSP): Führt oft zu einem akinetisch-rigiden Parkinson-Syndrom, das mit Stürzen (oft nach hinten) und einer Lähmung der vertikalen Augenbewegungen einhergehen kann.
  • kortikobasale Degeneration (CBD): Ähnelt klinisch der PSP – es kann zusätzlich zu ungewollten, „selbstständigen“ Bewegungen von Gliedmaßen und kognitiven und visuellen Einschränkungen kommen.

Diese neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden sich im Verlauf, den Symptomen und der Therapie. So sind nicht alle Medikamente, die bei Morbus Parkinson eingesetzt werden können, hier in gleichem Maße wirksam. Ebenso verlaufen diese Erkrankungen meist schneller und schwerwiegender, was eine diagnostische Unterscheidung wichtig macht.

Sekundäres Parkinson-Syndrom

Beim sekundären (symptomatischen) Parkinson-Syndrom gibt es eine äußere, identifizierbare Ursache für die Beschwerden. Das dopaminerge System ist nicht primär degeneriert, sondern wird blockiert oder beschädigt.

Ein paar Beispiele für Ursachen:

  • Medikamenteninduziert: ausgelöst durch Medikamente, welche z. B. die Dopamin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem beeinflussen (häufig Antipsychotika oder bestimmte Mittel gegen Übelkeit). Setzt man das Medikament ab, ist diese Form oft reversibel.
  • Vaskulär: Verursacht durch Durchblutungsstörungen oder Gefäßverstopfungen im Gehirn. Betrifft häufig nur die Beine und kann zu Anomalien in der Gangart führen.
  • Hydrozephalus: Die Flüssigkeit im zentralen Nervensystem (Liquor) nimmt mehr Platz im Schädel ein und kann erhöhten Druck auf das Gehirn und das Rückenmark ausüben.

Übersicht: Die Formen des Parkinson-Syndroms

MerkmalParkinson-Krankheit (Morbus Parkinson)Atypisches ParkinsonSekundäres Parkinson-Syndrom
HäufigkeitCa. 75 % der FälleCa. 5% der FälleCa. 20 % der Fälle
UrsacheLewy-Körperchen-KrankheitNeurodegenerative Erkrankungen (außer Lewy-Körperchen-Krankheit)Symptomatische Ursachen (z. B. Medikamente, Begleiterkrankungen, Toxine)
Ansprechen auf L-DopaIn der Regel gutes Ansprechen, besonders in den ersten JahrenBegrenztes Ansprechen auf L-DOPABei vaskulären Ursachen schlechter als bei Morbus Parkinson. Wenige Daten bei anderen sekundären Formen.
Typische MerkmaleGenerell langsamerer Verlauf, asymmetrischer Beginn der BewegungsstörungenSchnellere Progression, schwerwiegenderer Verlauf.Verschiedene parkinson-typische Symptome, je nach Ursache. Besserung möglich, wenn die Ursache behandelt wird.

Mehr Informationen zur Therapie des Parkinson-Syndroms finden Sie auf unserer Seite Parkinson behandeln.

Parkinson-Stadien: Hoehn und Yahr & MDS-UPDRS-Skala

Um den Schweregrad der Erkrankung einzuordnen und Therapien zu planen, nutzen Ärzt*innen standardisierte Skalen.

Hoehn und Yahr-Skala:
Diese Skala misst den Fortschritt der Erkrankung anhand der Ausbreitung der Symptome und der Einschränkung des Gleichgewichts.

  • Stadium 0: keine Erkrankung
  • Stadium 1: Einseitige Beteiligung.
  • Stadium 2: Beidseitige Beteiligung, aber noch keine Gleichgewichtsprobleme.
  • Stadium 3: Leichte bis mäßige beidseitige Symptome; beginnende Haltungsinstabilität, aber noch physisch unabhängig.
  • Stadium 4: Schwere Behinderung; der/die Patient*in kann jedoch noch eigenständig gehen oder stehen.
  • Stadium 5: Rollstuhlpflichtigkeit oder Bettlägerigkeit, sofern keine Unterstützung erfolgt.

MDS-UPDRS Skala: Die UPDRS (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale) ist deutlich umfassender und erstreckt sich über 5 Teile, die verschiedene Aspekte abdecken. Sie erfasst nicht nur die Motorik durch Ärzt*innen, sondern auch Alltagsaktivitäten, motorische Schwankungen und nicht-motorische Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Schmerzen oder Stimmungstiefs.

Wichtige Differenzialdiagnosen: Was ist kein Parkinson?

Eine Diagnose muss Erkrankungen ausschließen, die dem Morbus Parkinson ähneln, aber anders behandelt werden.

Tremor vs. Parkinson

Die häufigste Verwechslung in der Frühphase ist der Essenzielle Tremor, der andere Ursachen haben kann als ein Parkinson-Syndrom. Der Unterschied: Parkinson verursacht ein Ruhezittern mit eher niedrigerer Frequenz, das bei zielgerichteten Bewegungen nachlässt. Der Essenzielle Tremor ist ein Aktions- und Haltungstremor mit höherer Frequenz. Er tritt auf, wenn man die Arme gegen die Schwerkraft hält oder nach etwas greift. Beim essenziellen Tremor fehlen zudem die Kernsymptome eines Parkinson-Syndroms.

Unterschied Parkinson und ALS

Morbus Parkinson und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sind durchaus verschieden. Parkinson betrifft die Koordination und Steuerung der Bewegung – die Muskelkraft bleibt erhalten. Bei der ALS hingegen sterben die Nervenzellen ab, die direkt für die Muskelsteuerung zuständig sind. Dies führt zu Muskelschwund (Atrophie) und Lähmungen (Paresen), während extrapyramidale Symptome wie Ruhetremor oder Rigor bei ALS nicht auftreten.

Häufig gestellte Fragen zu Parkinson-Diagnose und -Formen

Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen der Aufklärung und ersetzen keinesfalls eine individuelle ärztliche Beratung.

Quellenangaben

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