Begleitende Parkinson-Therapien
Physiotherapie, Ergotherapie & Logopädie
Das Wichtigste in Kürze
Die Parkinson-Krankheit erfordert einen Behandlungsansatz, der weit über die Einnahme von Medikamenten hinausgeht. Begleitende Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sind wichtig, da Medikamente oft nicht alle motorischen und nicht-motorischen Symptome im Krankheitsverlauf lindern können. Ziel dieser aktivierenden Therapien ist es, funktionelle Einschränkungen durch Training und Therapie auszugleichen, Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern und die Lebensqualität und Teilhabe bestmöglich zu bewahren.
Was bringt Physiotherapie bei Parkinson?
Physiotherapie bei Parkinson hat das Ziel, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten, motorischen Symptomen entgegenzuwirken, sowie Kraft und Gleichgewicht zu trainieren. Studien und Metaanalysen weisen darauf hin, dass strukturierte Bewegungsprogramme verschiedene motorische Symptome verbessern können. Dabei scheint es Unterschiede zu geben, welche Aktivitäten welche Symptome beeinflussen – umso wichtiger ist hier eine patientenindividuelle Auswahl.
Mögliche Bausteine der physiotherapeutischen Behandlung:
Was bringt Ergotherapie bei Parkinson?
Die Ergotherapie bei Parkinson konzentriert sich auf den Erhalt der Handlungsfähigkeit bei den Aktivitäten des täglichen und beruflichen Lebens und gesellschaftliche Teilhabe. Während die Physiotherapie den gesamten Bewegungsapparat adressiert, geht die Ergotherapie konkrete Alltagsprobleme an. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erhalt der Feinmotorik und der Entwicklung von Kompensationsstrategien, um den Alltag trotz Einschränkungen eigenständig bewältigen zu können.
Mögliche Bausteine der ergotherapeutischen Behandlung:
Sprach- und Schlucktherapie (Logopädie)
Logopädie ist bei Parkinson wichtig, da sie sowohl die Kommunikationsfähigkeit und Teilhabe erhält als auch Komplikationen bei der Nahrungsaufnahme verhindern kann. Parkinson führt häufig zu einer Sprachstörung (Dysarthrie) mit leisem, monotonem Sprechen sowie zu Schluckstörungen (Dysphagie).
Mögliche Bausteine der logopädischen Behandlung:
Ein wichtiger Hinweis: Häufiges Verschlucken, zum Beispiel bei Speichel oder Flüssigkeiten, sowie eine gurgelnde Stimme nach dem Trinken können auf Schluckprobleme hinweisen. In solchen Fällen ist es ratsam, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen, da das Einatmen von Nahrung oder Flüssigkeit das Risiko für Lungenentzündungen erhöhen kann.
Welche Übungen bei Parkinson helfen im Alltag?
Tägliche, in den Alltag integrierte Übungen können wichtig für das Selbstmanagement von Parkinson-Betroffenen sein. Die folgenden Übungen lassen sich ohne Hilfsmittel zu Hause durchführen.
Gesichtsgymnastik bei Parkinson
Die Erkrankung führt oft zu einer reduzierten Mimik (Hypomimie) bei der die Gesichtsmuskulatur an Ausdruckskraft verliert. Hier einige Beispiele für Mimik-Übungen:
- Stirn: Stirn runzeln und wieder entspannen.
- Augen: Augen fest zusammenkneifen und danach weit aufreißen (abwechselnd rechts und links). Augenbrauen heben und wieder senken.
- Wangen: Beide Wangen kräftig aufblasen, die Luft für 3 Sekunden halten und wieder auspusten.
- Mund: Lippen spitz nach vorne ziehen (wie zum Pfeifen) und danach zu einem breiten Lächeln formen
Fingerübungen für Hände und Feinmotorik
Um feinmotorischen Defiziten entgegenzuwirken, empfehlen sich regelmäßige Geschicklichkeitsübungen:
- Fingerspreizen: Hände zur Faust ballen, dann öffnen und die Finger maximal weit auseinanderspreizen. Im Wechsel langsam schließen und schnell öffnen.
- Finger-Tippen: Mit der Kuppe des Daumens nacheinander zügig und mit Druck die Kuppen des Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Fingers antippen.
- Ausschütteln: Die Hände aus dem Handgelenk kräftig ausschütteln.
Psychotherapie: Unterstützung für das seelische Gleichgewicht
Die Diagnose und der Verlauf der Parkinson-Krankheit stellen an sich eine psychische Belastung dar. Zudem ist das Risiko für Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen durch die krankheitsbedingten Veränderungen im Gehirn erhöht. Psychologische Therapieoptionen können Betroffenen bei der Krankheitsbewältigung helfen und die Lebensqualität steigern. Zudem sind sie effektive Bausteine in der multimodalen Therapie einer Parkinson-Erkrankung und begleitenden Krankheiten – vor allem Depressionen, Angststörungen und Psychosen.
Alternative Behandlungsmethoden bei Parkinson
Im Internet kursieren häufig Informationen zu alternativen Heilmethoden. Für komplementärmedizinische Verfahren gibt es keine wissenschaftliche Evidenz hinsichtlich einer krankheitsmodifizierenden oder heilenden Wirkung bei Parkinson. Solche Ansätze könnten im besten Fall zur subjektiven Muskelentspannung beitragen, sollten aber nicht die evidenzbasierten Standardtherapien ersetzen oder zu einem Abbruch der medikamentösen Therapie verleiten.
Häufig gestellte Fragen zu begleitenden Parkinson-Therapien
Ja. Es ist belegt, dass strukturierte physiotherapeutische Bewegungsprogramme die motorischen Symptome, die Gleichgewichtsfähigkeit und die Lebensqualität verbessern. Jede Form der Bewegung ist besser als keine Bewegung.
Die Physiotherapie trainiert den gesamten Körper auf funktioneller Ebene (Gangbild, Rumpfstabilität, Balance, Ausdauer). Die Ergotherapie fokussiert sich hingegen auf handlungsorientierte Tätigkeiten im Alltag (Knöpfe schließen, Schreiben, Umgang mit Besteck) und Teilhabe.
Bei der Parkinson-Atemtherapie steht oft ein Krafttraining der Atemmuskulatur im Fokus. Dabei pusten Patient*innen meist kräftig gegen einen Widerstand. Dies stärkt das Abhusten, wodurch versehentlich eingeatmete Speisereste oder Flüssigkeiten wieder aus der Luftröhre entfernt werden können.
Quellenangaben
- Radder DL, Sturkenboom IH, van Nimwegen M, Keus SH, Bloem BR, de Vries NM. Physical therapy and occupational therapy in Parkinson’s disease. Int J Neurosci. 2017;127(10):930-943. doi: 10.1080/00207454.2016.1275617
- Höglinger G., Trenkwalder C. et al., Parkinson-Krankheit, S2k-Leitlinie, 2023, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 19.05.2026)
- Radder DLM, Silva de Lima AL, Domingos J, Keus SHJ, van Nimwegen M, Bloem BR, et al. Physiotherapy in Parkinson’s Disease: A Meta-Analysis of Present Treatment Modalities. Neurorehabil Neural Repair. 2020 Oct;34(10):871-880. doi: 10.1177/1545968320952799.
- Gollan R, Ernst M, Lieker E, Caro-Valenzuela J, Monsef I, Dresen A, et al. Effects of Resistance Training on Motor- and Non-Motor Symptoms in Patients with Parkinson’s Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Parkinsons Dis. 2022;12(6):1783-1806. doi: 10.3233/JPD-223252.
- Eldemir S, Eldemir K, Saygili F, Ozkul C, Yilmaz R, Akbostancı MC, et al. The effects of standard and modified LSVT BIG therapy protocols on balance and gait in Parkinson’s disease: A randomized controlled trial. Brain Behav. 2024 Mar;14(3):e3458. doi: 10.1002/brb3.3458.
- Umemoto G, Furuya H. Management of Dysphagia in Patients with Parkinson’s Disease and Related Disorders. Intern Med. 2020;59(1):7-14. doi: 10.2169/internalmedicine.2373-18. Available from: https://www.jstage.jst.go.jp/article/internalmedicine/59/1/59_2373-18/_article
- Foster ER, Carson LG, Archer J, Hunter EG. Occupational Therapy Interventions for Instrumental Activities of Daily Living for Adults With Parkinson’s Disease: A Systematic Review. Am J Occup Ther. 2021 May-Jun;75(3):7503190030. doi: 10.5014/ajot.2021.046581.
- Muñoz-Vigueras N, Prados-Román E, Valenza MC, Granados-Santiago M, Cabrera-Martos I, Rodríguez-Torres J, et al. Speech and language therapy treatment on hypokinetic dysarthria in Parkinson disease: Systematic review and meta-analysis. Clin Rehabil. 2021 May;35(5):639-655. doi: 10.1177/0269215520976267. (Abstract)
- Winiker K, Kertscher B. Behavioural interventions for swallowing in subjects with Parkinson’s disease: A mixed methods systematic review. Int J Lang Commun Disord. 2023 Jul-Aug;58(4):1375-1404. doi: 10.1111/1460-6984.12865.
- Pitts T, Bolser D, Rosenbek J, Troche M, Okun MS, Sapienza C. Impact of expiratory muscle strength training on voluntary cough and swallow function in Parkinson disease. Chest. 2009 May;135(5):1301-1308. doi: 10.1378/chest.08-1389. (Abstract)
- Xu Y, Cai X, Zhou Z, Xue M, Wang B, Wang H, et al. HypomimiaCoach: An AU-based Digital Therapy System for Hypomimia Detection & Rehabilitation with Parkinson’s Disease. arXiv [Preprint]. 2024 Oct 13. arXiv:2410.09772. doi: 10.48550/arXiv.2410.09772.
- Bianchini E, Rinaldi D, Alborghetti M, Simonelli M, D’Audino F, Onelli C, et al. The Story behind the Mask: A Narrative Review on Hypomimia in Parkinson’s Disease. Brain Sci. 2024 Jan 22;14(1):109. doi: 10.3390/brainsci14010109.
- Vasu DT, Lim MH, Fong WH, Choong PK, Chou LW. Evidence-Based Physiotherapeutic Interventions Enhancing Hand Dexterity, Activities of Daily Living and Quality of Life of Parkinson’s Disease Patients: A Systematic Review. Can J Neurol Sci. 2025 Mar;52(2):179-191. doi: 10.1017/cjn.2024.53.
- Balint T, Cristuta AM, Slicaru AC, Onu I, Iordan DA, Onu A. Manual Dexterity Rehabilitation in Parkinson’s Disease and Paranoid Schizophrenia: A Controlled Study. Life. 2026 Jan 24;16(2):196. doi: 10.3390/life16020196.
- Wu X, Shi M, Lian Y, Zhang H. Cognitive behavioral therapy approaches to the improvement of mental health in Parkinson’s disease patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Neurol. 2024 Sep 19;24(1):352. doi: 10.1186/s12883-024-03859-x.